BC-CS Academy #011 – Infill im 3D-Druck: Wie viel Füllung braucht mein Modell wirklich?
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Th.Gothe -
2. Oktober 2026 um 18:00 -
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- Was ist Infill überhaupt?
- Was bedeutet die Infill-Prozentzahl?
- Wie viel Infill brauche ich wirklich?
- Mehr Infill bedeutet nicht automatisch mehr Stabilität
- Infill ist nicht gleich Infill
- Mehr Infill kostet Material – und Zeit
- Infill hat noch eine weitere Aufgabe
- Sonderfall: 0 % Infill
- Und wann brauche ich 100 % Infill?
- Ein praktisches Beispiel
- BC-CS Academy Praxistipp
- Fazit
1. Was ist Infill überhaupt?
Die meisten Modelle aus dem FDM-3D-Druck werden nicht vollständig massiv gedruckt.
Stattdessen besteht ein typisches Modell vereinfacht aus drei Bereichen:
- den Außenwänden bzw. Perimetern
- den oberen und unteren geschlossenen Schichten
- einer inneren Füllstruktur – dem Infill
Das Infill bildet im Inneren des Modells eine regelmäßige Struktur. Dadurch muss der Drucker nicht das komplette Volumen mit Kunststoff ausfüllen.
Das spart Material, Gewicht und Druckzeit.
Trotzdem kann das Bauteil eine hohe Stabilität erreichen, denn für die Festigkeit sind nicht ausschließlich die Bereiche im Inneren verantwortlich.
2. Was bedeutet die Infill-Prozentzahl?
Mit der Infill-Dichte wird festgelegt, wie dicht die innere Struktur eines Modells gedruckt wird.
Sehr vereinfacht kann man sich die Werte folgendermaßen vorstellen:
Diese Werte sind allerdings keine festen Regeln.
Ein Modell mit 20 % Infill besitzt beispielsweise nicht automatisch nur 20 % der Stabilität eines vollständig gefüllten Modells.
Die tatsächliche Belastbarkeit hängt von wesentlich mehr Faktoren ab.
3. Wie viel Infill brauche ich wirklich?
Für viele dekorative Modelle wird überraschend wenig Infill benötigt.
Eine Figur, ein Drache oder ein Dekorationsgegenstand muss normalerweise keine hohen mechanischen Belastungen aushalten. Hier kann bereits eine relativ geringe Füllung vollkommen ausreichend sein.
Anders sieht es bei funktionalen Bauteilen aus.
Eine Halterung, ein Werkzeugteil oder ein mechanisch belastetes Ersatzteil benötigt möglicherweise eine höhere Stabilität. Trotzdem sollte man auch hier nicht automatisch den Infill-Regler auf 100 % stellen.
Entscheidend ist immer der Einsatzzweck des Bauteils.
4. Mehr Infill bedeutet nicht automatisch mehr Stabilität
Das klingt zunächst vielleicht widersprüchlich.
Natürlich kann mehr Material im Inneren eines Modells dessen Stabilität erhöhen. Allerdings gibt es häufig andere Einstellungen, die einen deutlich größeren Einfluss besitzen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Anzahl und Stärke der Außenwände
- Anzahl der oberen und unteren Schichten
- verwendetes Material
- Drucktemperatur und Layerhaftung
- Druckorientierung des Bauteils
- Infill-Muster
- Richtung und Art der späteren Belastung
Gerade zusätzliche Außenwände beziehungsweise Perimeter können bei vielen Bauteilen wesentlich mehr zur Stabilität beitragen als eine extreme Erhöhung des Infills.
Ein Bauteil mit mehreren stabilen Außenwänden und beispielsweise 20 oder 30 % Infill kann deshalb für einen bestimmten Einsatzzweck sinnvoller sein als dasselbe Bauteil mit wenigen Außenwänden und sehr hoher Fülldichte.
Die Druckrichtung spielt ebenfalls eine Rolle
FDM-Bauteile bestehen aus vielen einzelnen Schichten.
Dadurch besitzen sie nicht in jede Richtung exakt dieselben mechanischen Eigenschaften. Wird ein Bauteil ungünstig ausgerichtet, können Belastungen genau zwischen den einzelnen Schichten wirken.
In einem solchen Fall hilft auch sehr viel Infill nur begrenzt.
Bei funktionalen Teilen sollte deshalb bereits vor dem Druck überlegt werden, in welcher Richtung das Bauteil später belastet wird.
5. Infill ist nicht gleich Infill
Neben der Dichte lässt sich im Slicer normalerweise auch das Infill-Muster auswählen.
Dabei gibt es inzwischen zahlreiche Varianten.
Lines / Linien
Eine einfache Struktur aus Linien.
Sie lässt sich schnell drucken und benötigt vergleichsweise wenig Material. Für viele leichte Modelle kann das vollkommen ausreichend sein.
Grid / Gitter
Hier entsteht ein regelmäßiges Gitter im Inneren des Modells.
Grid ist einfach, stabil und in vielen Slicern verfügbar. Durch die sich kreuzenden Linien kann das Muster allerdings je nach Druckprofil und Geschwindigkeit etwas unruhiger gedruckt werden.
Cubic
Beim Cubic-Infill entsteht eine dreidimensionale Struktur.
Dadurch kann das Bauteil Belastungen aus mehreren Richtungen aufnehmen. Cubic ist deshalb eine interessante Wahl für funktionale Bauteile.
Gyroid
Gyroid besitzt eine charakteristische, geschwungene dreidimensionale Struktur.
Das Muster kommt ohne klassische geradlinige Kreuzungen innerhalb derselben Schicht aus und bietet eine relativ gleichmäßige Struktur in verschiedene Richtungen. Dadurch ist Gyroid für viele Anwendungen eine beliebte Wahl.
Honeycomb / Wabenstruktur
Die bekannte Wabenstruktur bietet eine gute Stabilität, kann aber im Vergleich zu anderen Mustern mehr Druckbewegungen und damit eine längere Druckzeit verursachen.
Welches Muster optimal ist, hängt deshalb ebenfalls vom jeweiligen Modell und Einsatzzweck ab.
6. Mehr Infill kostet Material – und Zeit
Eine Erhöhung des Infills bedeutet zwangsläufig, dass der Drucker mehr Material im Inneren des Modells ablegen muss.
Damit steigen:
Materialverbrauch → Druckzeit → Gewicht → Kosten
Der Unterschied kann insbesondere bei großen Modellen erheblich sein.
Wenn ein dekoratives Modell mit 15 % Infill bereits ausreichend stabil ist, bringt eine Erhöhung auf beispielsweise 50 % möglicherweise kaum einen praktischen Vorteil – benötigt aber deutlich mehr Filament und verlängert den Druck.
Deshalb gilt auch beim Infill:
So viel wie nötig, nicht so viel wie möglich.
7. Infill hat noch eine weitere Aufgabe
Das Infill dient nicht ausschließlich der mechanischen Stabilität.
Es unterstützt außerdem die oberen geschlossenen Schichten eines Modells.
Der Drucker muss diese Schichten schließlich auf etwas ablegen können. Sind die Abstände innerhalb des Infills sehr groß, müssen die oberen Schichten größere Bereiche überbrücken.
Das kann sich negativ auf die Oberfläche auswirken.
Deshalb hängen Infill-Dichte, Infill-Muster und die Anzahl der oberen Schichten teilweise miteinander zusammen.
Bei großen horizontalen Flächen kann es beispielsweise sinnvoll sein, entweder etwas mehr Infill oder zusätzliche Deckschichten zu verwenden.
8. Sonderfall: 0 % Infill
Ein Modell kann auch komplett ohne Infill gedruckt werden.
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass überhaupt kein Material im Inneren beziehungsweise keine stabile Struktur vorhanden ist. Die Außenwände sowie Boden- und gegebenenfalls Deckschichten bleiben – abhängig von den übrigen Einstellungen – weiterhin bestehen.
Für bestimmte Dekorationsmodelle, Behälter oder speziell dafür konstruierte Objekte kann das sinnvoll sein.
Auch der bekannte Vase Mode beziehungsweise Spiral Vase Mode arbeitet praktisch ohne klassische Füllstruktur. Hier wird ein Modell häufig mit einer kontinuierlichen Außenwand aufgebaut.
Allerdings muss das Modell dafür geeignet sein.
9. Und wann brauche ich 100 % Infill?
100 % Infill bedeutet, dass das Innere des entsprechenden Bereichs praktisch vollständig mit Material gefüllt wird.
Das kann bei bestimmten mechanischen Bauteilen oder sehr kleinen Teilen sinnvoll sein.
Für die meisten normalen 3D-Drucke ist es jedoch nicht notwendig.
Mehr Material bedeutet außerdem nicht automatisch eine proportional höhere Belastbarkeit. Je nach Bauteil können zusätzliche Außenwände, eine andere Druckorientierung oder sogar ein anderes Material wesentlich mehr bewirken.
100 % sollte deshalb eine bewusste Entscheidung und nicht einfach die Standardeinstellung für „besonders stabil“ sein.
10. Ein praktisches Beispiel
Nehmen wir eine einfache Wandhalterung.
Die erste Idee könnte sein:
Zitat„Die muss stabil sein, also nehme ich 100 % Infill.“
Doch das muss nicht die beste Lösung sein.
Möglicherweise erreicht man mit:
mehreren Außenwänden + 25–40 % geeignetem Infill + sinnvoller Druckorientierung
bereits die benötigte Belastbarkeit und spart gleichzeitig Material und Druckzeit.
Bei einem funktionalen Bauteil lohnt es sich deshalb, nicht nur auf einen einzelnen Prozentwert zu schauen.
BC-CS Academy Praxistipp
Wenn ein Bauteil stabiler werden soll, sollte der erste Griff nicht automatisch zum Infill-Regler gehen.
Stellt euch zunächst drei Fragen:
Wo wirken später die Kräfte?
Wie ist das Modell auf dem Druckbett ausgerichtet?
Brauche ich tatsächlich mehr Infill – oder wären zusätzliche Außenwände sinnvoller?
Gerade bei funktionalen Bauteilen kann eine Kombination aus geeigneter Druckorientierung, ausreichend Außenwänden und moderatem Infill eine sehr gute Lösung sein.
Fazit
Infill gehört zu den wichtigsten Grundeinstellungen im FDM-3D-Druck – trotzdem gibt es keinen universellen Wert, der für jedes Modell optimal ist.
Für viele dekorative Modelle reicht bereits eine relativ geringe Fülldichte. Funktionale Bauteile benötigen dagegen eine genauere Betrachtung ihrer späteren Belastung.
Dabei sollte man nicht vergessen:
Die Stabilität eines 3D-Drucks entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren.
Infill-Dichte, Muster, Außenwände, Material, Layerhaftung und Druckorientierung wirken gemeinsam.
Statt also einfach möglichst viel Kunststoff in ein Modell zu packen, lohnt es sich, die Einstellungen passend zum jeweiligen Einsatzzweck auszuwählen.
So spart man Material und Druckzeit – ohne unnötig auf Stabilität zu verzichten.
In der nächsten Ausgabe der BC-CS Academy:
#012 – Supports im 3D-Druck: Wann brauche ich Stützstrukturen – und wann nicht?
Dann schauen wir uns an, warum manche Bereiche eines Modells scheinbar „in der Luft“ gedruckt werden müssten, wann Stützstrukturen notwendig werden und wie sich Supports möglichst sinnvoll einsetzen lassen.